Brasilien und Uruguay: Fussball kennt keine Grenzen

(Artikelbild: Die größte Flagge des Landes Brasilien in der Hauptstadt Brasilia, Quelle: wikimedia.org/Jhowcs

Liest man die Geschichtsbücher, dann kann man durchaus nachvollziehen, warum Brasilianer und Uruguayer ihre Gründe für einen Zwist haben. Jenes 176.000 km² kleine Gebiet im Südwesten des Kontinents erlangte im Jahr 1828 seine Unabhängigkeit. Aber erst nachdem es kurz zuvor der Besatzung durch Brasilien entgangen war – das sich seinerseits 1822 von Portugal unabhängig gemacht hatte. Von 1817 bis 1825 war das heutige Uruguay formal brasilianisches Territorium, die sogenannte Provinz „Cisplatina“.

Doch lässt man die Geografie beiseite und vertieft man sich in die Geschichte des Fussballs, öffnet sich auf diesem Terrain eine andere Realität, die nicht minder ihre Spuren in der brasilianischen Volksseele hinterlassen hat. Welche Gefühle soll man denn von den Brasilianern erwarten in Bezug auf das Land, das ihnen den größten Schmerz in ihrer Geschichte zugefügt hat – jene Niederlage, die als „Maracanazo“ in die Annalen einging?

Im Jahr 1933 wurde mit der Liga Carioca de Futebol in Rio de Janeiro offiziell der Grundstein für den Profifußball gelegt. Die Selecao, was soviel wie Auswahl bedeutet, konnte sich seit 1930 als einzige Nationalmannschaft für alle Weltmeisterschaften qualifizieren. Nach dem zweiten Weltkrieg war Brasilien 1950 erstmals Gastgeber für die Weltmeisterschaft. Diese Weltmeisterschaft hat sich in die Geschichtsbücher und in das Gedächtnis vieler Brasilianer als ein nationales Drama eingeschrieben. Die Selecao legte einen souveränen Durchmarsch bis zum Finale hin, wo sie gegen Uruguay antrat. Für die Brasilianer hätte ein Remis für das Siegerpodest schon ausgereicht. Dennoch gingen sie mit 1:0 zunächst in Führung. Doch das Nachbarland Uruguay schoss die Brasilianer mit einem 1:2 aus dem Finale und erschütterte die brasilianische Fußballseele bis ins Mark.

„Ich weinte mehr als die Brasilianer, weil ich nicht mit ansehen konnte, wie sehr sie litten. Es war, als ob ich an ihrer Stelle weinen würde“, so Uruguays Juan Schiaffino später, der Schütze zum ersten Tor bei dem 2:1, das den Weltmeistertitel für Uruguay bedeutete.

Fussball verbindet

Es scheint so, als ob der Umstand, gemeinsam eines der größten kollektiven Gefühlsdramen der Geschichte durchlebt zu haben, ein untrennbares Band zwischen Brasilien und Uruguay geknüpft hat. Schließlich kann es kein Zufall sein, dass dermaßen viele uruguayische Spieler die Grenze überquerten und im brasilianischen Fussball mehr als erfolgreich waren.

Dafür gibt es kein besseres Beispiel als den FC Sao Paulo. Dessen Geschichte ist in einem solchen Maß mit uruguayischen Stars verknüpft, dass der Klub im Jahr 2012 ein Gedenktrikot herausbrachte, bei dem das Rot, Weiß und Schwarz der Tricolores mit dem Himmelblau der uruguayischen Nationalmannschaft vermischt war. Diesem Phänomen ist im Übrigen auch ein ganzes Buch gewidmet: „Tricolor Celeste“ von Luís Augusto Símon.

Im Kader Uruguays für die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien werden möglicherweise Akteure wie Alvaro Pereira (FC Sao Paulo) und Nicolas Lodeiro (Botafogo) stehen, die sich bei der Endrunde wie zuhause fühlen. Ebenso wie der Rest des Teams, denn ein Großteil der uruguayischen Fussball-Geschichte ist mit einem leichten brasilianischen Geschmack versehen.

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